Ausgabe 3_2019, Startseite 65
Prof. Dr.
Klaus
Baumann
,
Freiburg
Die jüngste Rechtsprechung des EuGH und des BAG mit Auswirkungen auf das kirchliche Arbeitsrecht in Deutschland stützte sich vor allem auf die Antidiskriminierungsrichtlinie der EU aus dem Jahr 2000, näherhin auf den Begründungsbedarf von Unterscheidungen „angesichts des Ethos der Organisation”. Wie sind diese Bedingungen des EuGH zu legitimer „Diskriminierung” zu verstehen? Der Beitrag fragt nach dem Verständnis des Begriffs „Ethos der Organisation” im Kontext von Religion(en), in denen aus religionswissenschaftlicher Sicht das Ethos eine Kerndimension bzw. ein Strukturprinzip darstellt. In diesem Licht stellt das christliche Ethos von Caritas und Diakonie ein ausdrücklich gewolltes eigenes Ethos im Kontext der Pluralität in Freier Wohlfahrtspflege in Deutschland dar. Exemplarisch wird dieses im biblischen Ethos Jesu Christi verankerte knapp ausgeführte Ethos konkretisiert in Kriterien von sozialer Arbeit für Hilfesuchende wie im Blick auf die organisationale Identität von Caritas und Diakonie sowie ihren Diensten und Einrichtungen. Solche Operationalisierungen bleiben eine kontinuierliche Aufgabe und Chance für Caritas und Diakonie für die Kommunikation und Plausibilisierung ihrer Anforderungen im gesellschaftlichen und rechtsstaatlichen Kontext und dienen damit auch der Selbstklärung und besseren Realisierung ihres Ethos.
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