Ausgabe 2_2019, Startseite 43
Prof. Dr.
Ursula
Nothelle-Wildfeuer
,
Freiburg
Der Begriff Arbeit 4.0 zur Kennzeichnung des spezifischen Umbruchs im 21. Jahrhundert verweist mit seiner Zählung auch auf bisherige Phasen: „Arbeit 1.0” beschreibt die beginnende Industriegesellschaft mit den Anfängen der Automation, „Arbeit 2.0” meint die beginnende Massenproduktion und die Anfänge des Sozialstaats am Ende des 19. Jahrhunderts, „Arbeit 3.0” bezeichnet die Zeit weiterer Automatisierung, aber auch die der Konsolidierung des Sozialstaats auf der Grundlage der Sozialen Marktwirtschaft und schließlich „Arbeit 4.0”, kurz charakterisiert als digitalgestützte Innovationen mit fundamentalen Anfragen an das System Sozialer Marktwirtschaft. Im Hintergrund lässt sich an dieser Entwicklung das erkennen, was der österreichische Ökonom Joseph A. Schumpeter als „Prozess schöpferischer Zerstörung” beschrieben hat: Schöpferisch, weil „grundlegende Neuerungen” hervorgebracht werden, „die ganze Wirtschaftszweige und sogar große Teile der Gesellschaft umwälzen”; „Zerstörung”, weil immer wieder „Sachkapital untergehender Wirtschaftszweige” bzw. Humankapital entwertet wird. Die folgenden Überlegungen wollen zunächst nach einer begrifflichen Vorbemerkung Gesichtspunkte der gesellschaftlichen Transformation darstellen, Aspekte besonders in den Blick nehmen, die in der Arbeit 4.0 relevant sind, dann das sozialethische Fundament der kritischen Auseinandersetzung mit den Transformationsprozessen, nämlich die Würde der menschlichen Arbeit, entwickeln, um schließlich sieben sozialethische Gebote für die Arbeit 4.0 im Kontext des Wirtschaftsordnungsmodells der Sozialen Marktwirtschaft zu entfalten und schließlich ein kurzes Fazit zu ziehen.
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